Goethe, Ottilie von
- Lebensdaten
- 1796 – 1872
- Geburtsort
- Danzig
- Sterbeort
- Weimar
- Beruf/Funktion
- Schwiegertochter Johann Wolfgang von Goethes ; Schriftstellerin ; Publizistin
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 118540254 | OGND | VIAF: 46814794
- Namensvarianten
-
- Goethe, Ottilie Wilhelmine Ernestine Henriette von
- Pogwisch, Ottilie von (geborene)
- Pogwisch, Ottilie Wilhelmine Ernestine Henriette von (geborene)
- Goethe, Ottilie von
- Goethe, Ottilie Wilhelmine Ernestine Henriette von
- Pogwisch, Ottilie von (geborene)
- pogwisch, ottilie von
- Pogwisch, Ottilie Wilhelmine Ernestine Henriette von (geborene)
- pogwisch, ottilie wilhelmine ernestine henriette von
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Goethe, Ottilie Wilhelmine Ernestine Henriette von, geborene von Pogwisch
* 31.10.1796 Danzig, † 26.10.1872 Weimar. (evangelisch)
-
Genealogie
V Wilhelm v. P. (1760–1836), auf Goddentow usw., preuß. Major, S d. Carl Benedikt, auf Gr.- u. Kl. Saalaum/Ostpr., preuß. Kapitän, aus d. kurländ. Linie d. holstein. Geschl., u. d. Caroline Wilh. v. Müllenheim;
M Henriette (1776–1851), preuß. Hofdame (seit 1794), weimar. Hofdame (seit 1811), T d. →Victor Amadeus Gf. Henckel v. Donnersmarck (1727–93), Freier Standesherr auf Beuthen, preuß. Gen.-Lt. u. Gouverneur v. Königsberg (s. Priesdorff II, S. 169 f., P), u. d. →Eleonore Ottilie Gfn. v. Lepel (1756–1843), Oberhofmeisterin d. Großfürstin Helene v. Rußland, seit 1804 d. Hzgn. Maria Paulowna v. Sachsen-Weimar;
Groß-Om →Wilhelm Gf. v. Lepel (1755–1826), auf Nassenheide, preuß. Gesandter in Stockholm, Schriftsteller (s. NND V, S. 1 f.);
Om →Wilhelm Gf. H. v. D. (1775–1849), preuß. Gen.-Lt. (s. ADB XI; Priesdorff III, S. 432-34, P);
Schw →Ulrike (1798–1875), Priorin d. St. Johannisklosters bei Schleswig;
⚭ Weimar 1817 August v. Goethe (1789-1830, s. Gen. 3), 1801 v. Vater legitimiert, v. diesem wie v. Riemer 1803-05 liebevoll u. großzügig erzogen, 1808-11 Studium d. Rechte in Heidelberg u. Jena, 1811 sachsen-weimar. Kammerassessor, 1815 Kammerjunker u. Kammerrat. Unterstützte als solcher d. Vater b. d. Oberaufsicht üb. d. Theater, d. staatl. Anstalten f. Wiss. u. Kunst u. d. Baudirektion. Wegen s. Begabung f. d. Praktisch-Nützliche zog ihn d. Vater ausgiebig zur Hilfe bei d. eigenen Slgg., Forschungen u. bei d. Ausg. letzter Hand heran. Der Mangel an eigenständiger Wirksamkeit u. d. unglückl. Ehe ließen die Verhältnisse f. ihn immer bedrückender werden, 1830 suchte er sich dem durch e. Reise n. Italien zu entziehen, er starb in Rom (s. L);
2 S, 1 T Walther (1818–85, s. Gen. 5), →Wolfgang (s. 5), Alma (1827–44); 1 außerehel. T (v. Charles Sterling, 1804–80) Anna Poiwisch (1835–36). -
Biographie
Infolge der durch die Großmutter Henckel von Donnersmarck erzwungenen Trennung der Eltern (1802) war G.s Kindheit unruhig; ihre Jugend verbrachte sie in Weimar. Die spannungsreiche Ehe mit August von Goethe fand einen Halt durch die Hinordnung auf Johann Wolfgang von Goethe, den G. glühend verehrte und dessen Altersdichtung sie tiefes Verständnis entgegenbrachte. 1829-32 gab sie die Gesellschaftszeitschrift „Chaos“ heraus, zu der unter anderem J. P. Eckermann, K. von Holtei, Sibylle Mertens-Schaaffhausen und →Adele Schopenhauer beitrugen; diese standen ihr auch in den mannigfachen Bedrängnissen ihres späteren Lebens bei. – Früh schon, vor allem aber nach dem als Befreiung empfundenen Tode Augusts, widmete sich G. in bizarrer, am Byronkult genährter Schwärmerei der Freundschaft mit Männern, besonders mit Briten und Iren; keine Enttäuschung konnte sie davon heilen. Zur Geburt ihrer Tochter (der von Charles Sterling empfangenen) Anna Poiwisch zog sie 1835, begleitet von der englischen Schriftstellerin Anna Jameson, nach Wien, wo sie mit dem Arzt Romeo Seligmann (1808–92) eine Jahrzehnte währende Freundschaft schloß und die Beziehung zu dem Schriftsteller und Publizisten →Gustav Kühne fortsetzte; sie verkehrte viel in den Salons und machte dort die Literatur des Jungen Deutschland bekannt. Von Wien aus versuchte sie, den Lebensweg ihrer Söhne Walther und Wolfgang zu beeinflussen; dort starb ihre Tochter Alma an Typhus. Wien blieb bis 1866 G.s zweite Heimat, wenngleich sie es immer wieder zu Reisen nach Deutschland und Italien verließ. 1870 kehrte sie in die Dachwohnung des Weimarer Goethehauses zurück. Zeitlebens hat sie des Schwiegervaters Leben und Werk gegen Mißgunst und Verleumdung verteidigt.
G.s spannungsreiches Wesen hat →Adele Schopenhauer, ihre engste Freundin, treffend charakterisiert: „In einem Augenblick Kind, Jungfrau und Matrone und dazwischen der windigste Leutnant.“ Ähnlich wie Rahel Varnhagen bildete G. dank ihrer geselligen und geistigen Begabung in Weimar, Dresden, Leipzig und Wien den Mittelpunkt bedeutsamer Kreise. In ihrem Hang zur Emanzipation, der großartigen Egozentrik, der eine Neigung zu grenzenloser Hingabe gegenüberstand, erinnert sie an →Bettina von Arnim. Das Problem ihres Lebens formulierte sie selbst im Entwurf ihres Grabspruches: „Von Quellen umgeben, verdurstete sie, denn keine bot ihr einen frischen Trunk.“
-
Werke
Aus O. v. G.s Nachlaß, Briefe u. Tagebücher v. ihr u. an sie 1806-32, hrsg. v. W. v. Oettingen, 1912/13;
Erlebnisse u. Geständnisse, 1832–57, hrsg. v. H. H. Houben, 1923;
Letters of Anna Jameson to O. v. G., ed. G. H. Needler, London u. New York 1939;
Briefe an e. ital. Freundin (d. i. Anna Gargallo), 1944;
Tagebücher u. Briefe v. u. an O. v. G., 2 Bde., hrsg. v. H. Bluhm, 1962/63 (P);
August v. G. u. O. v. Pogwisch, Briefe aus d. Verlobungszeit, hrsg. v. dems., 1962. -
Literatur
J. v. Gerstenbergk, O. v. G. u. ihre Söhne Walther u. Wolf, 1901;
L. Geiger, Goethe u. d. Seinen, 1908;
I. Linden, O. v. G., 1924;
C. Kahn-Wallerstein, Die Frau vom andern Stern, 1948 (P);
T. Deneke, Das Testament, 1953 (Roman);
Goedeke IV, 2, S. 685-87, IV, 5, S. 493 f. - Zu August:
W. Bode, Goethes Sohn, 1918;
Goedeke IV, 2, S. 684 f., IV, 5, S. 491 ff. -
Porträts
Kreidezeichnung v. Heinr. Müller, 1813 (Weimar, Nat. Forschungs- u. Gedenkstätten d. klass. dt. Lit.), Abb. b. Kahn-Wallerstein, s. L;
Pastellgem. (ebd.), Abb. in Tagebücher II, hrsg. v. H. Bluhm, s. W. -
Autor/in
Bernhard Gajek -
Zitierweise
Gajek, Bernhard, "Goethe, Ottilie von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 575-576 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118540254.html#ndbcontent