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Planung und Bau der Stadt des KdF-Wagens

 
 
Peter Koller � Stadtbaurat und Planer der Volkswagenstadt

Sich der Persönlichkeit Peter Kollers (1907 � 1996) zu nähern bedeutet, nicht nur den Stadtplaner als �Mann der Praxis� und den Hochschullehrer zu sehen, sondern ihn auch als ganzheitlich denkenden, an den wirklichen Bedürfnissen der Menschen orientierten Städtebau-Experten zu betrachten. Er bezog in seine Planungsüberlegungen sowohl sozialwissenschaftliche Grundlagen als auch wirtschaftliche Betrachtungsweisen ein, wobei ihm formalästhetische Architektur immer relativ unbedeutend blieb. Er berechnete förmlich die Grundlagen von Stadtplanungen und Städtebau und arbeitete damit sehr erfolgreich, wie vor allem die bauliche Entwicklung der Stadt Wolfsburg zeigt.

Planung und Bau der Stadt des KdF-Wagens

Auf Empfehlung von Speer, der sich wieder als Förderer Kollers zeigte, wurde Peter Koller Ende des Jahres 1937 durch die �Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens� (GEZUVOR) mit der Planung der Stadt des KdF-Wagens beauftragt. Die Größe der Stadt im Endausbau wurde mit 90 000 Einwohnern festgelegt � eine große berufliche Herausforderung für den jungen Stadtplaner, der immerhin erst dreißig Jahre alt war. Tragendes Motiv für die Wahl Kollers auf Seiten der Geschäftsführung der GEZUVOR könnte nach Vermutungen von Koller selbst die Einschätzung als unabhängige Persönlichkeit gewesen sein, um im Kompetenzwirrwarr des NS-Staates erforderliche Maßnahmen für den Stadtaufbau auch durchsetzen zu können.

Da die Aufstellung eines Flächenplanes der Stadt des KdF-Wagens erheblicher Vorarbeiten bedurfte und Zeitdruck bestand, gelang es Koller, auch einen früheren Kollegen, Herbert Neumeister, zur Unterstützung zu gewinnen. Konkurrierend mit Koller war auch eine Braunschweiger Architektengruppe mit der Vorplanung der neuen Stadt beauftragt. Nachdem Koller durch die Einflussnahme Speers seine Pläne den damals herrschenden Vorstellungen des Städtebaues, z. B. mit breiten Straßenachsen und einer dominierenden Stadtkrone auf dem Klieversberg, angepasst hatte, genehmigte Hitler diese Planung am 02.03.1938. Die Berufung Kollers zum Leiter des Stadtbaubüros, das umfassend für den Stadtaufbau zuständig war, erfolgte am 20.07.1938.

Peter Koller brachte in seinem Persönlichkeitsprofil beste Voraussetzungen mit, um im NS-Staat immer verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen zu können. Er war bereit, mit Wagemut bis an die äußersten Grenzen seiner Zuständigkeit zu gehen, Selbstbewusstsein, eigene Stärke und dynamisches Vorwärtsstreben zu demonstrieren, und dieses Verhalten wurde durchaus von höheren Stellen mit Zugeständnissen honoriert. Diese Art von Kräftemessen war typisch in einem Staatsgefüge, das oftmals eher widersprüchliche als geregelte Zuständigkeiten und Sonderbefugnisse von �Führer�-Persönlichkeiten implizierte.

Koller umging z. B. als Leiter des Stadtbaubüros die bei Baubeginn der Stadt im Mai des Jahres 1938 gültigen bau- und gestaltungsrechtlichen Vorschriften des zuständigen Reichsarbeitsministeriums und erreichte im Zusammenspiel mit der Geschäftsführung der GEZUVOR und Speer die Anwendung des �Gesetzes über die Neugestaltung deutscher Städte� vom 04.10.1937 (RGBl. I S. 1054) durch einen Erlass Hitlers vom 06.07.1938. Außerdem wurden die gesamten Befugnisse des Generalbauinspektors Albert Speer auf die Stadt des KdF-Wagens ausgeweitet. Aufgrund dieser gesetzestechnischen Konstruktion unterstand Koller mit dem Stadtbaubüro im Sinne des Führungsprinzips direkt zunächst dem Generalbauinspektor Speer, später dem Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF) Ley und war diesen gegenüber verantwortlich. Gegenüber seinen Partnern, dem VW-Werk und der Stadtverwaltung und anderen Behördeninstanzen, verließ ihm dieser Status eine gewisse Machtstellung, die Koller mit Geschick verteidigte.

Koller vertrat als Stadtplaner die Auffassung, �die Stadt als ein Lebewesen in allen ihren Voraussetzungen und in ihren Entwicklungsbestrebungen zu erfassen�. Dabei waren die vielfältigsten natürlichen Gegebenheiten genauso zu berücksichtigen wie sozio-ökonomische Faktoren. Das bedeutet im Falle der Planung der Stadt des KdF-Wagens, dass Koller empirisches Datenmaterial erhob, um die Größe und den Zuschnitt von Wohnungen zu berechnen, wie auch den Ansatz des erforderlichen Handwerkes und Gewerbes bestimmen zu können. Gestalterische Fragen der Architektur besaßen nicht den vorrangigen Stellenwert in seinem Verständnis von Stadtplanung, eher ging es Koller um Flächendisposition.

Als erstes Wohnquartier der neu gegründeten Stadt des KdF-Wagens entstand die Siedlung Steimker Berg in den Jahren 1938/39, die insbesondere für Führungskräfte aus dem Volkswagenwerk und der Stadtverwaltung konzipiert war. Die Wohnungsbauten in der Innenstadt wurden nur teilweise errichtet, weil infolge des Kriegsverlaufes und der damit verbundenen Materialknappheit und des Arbeitskräftemangels die Bauarbeiten Ende 1941 praktisch zum Stillstand kamen. Die Stadt selbst zeigte sich bei Kriegsende als Torso mit einer größeren Anzahl von Barackenlagern, in denen vor allem Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge für die Rüstungsproduktion im VW-Werk untergebracht waren. Neben der Tätigkeit als Leiter des Stadtbaubüros stellte sich Koller zusammen mit seinem engsten Mitarbeiter und Abteilungsleiter Dr. Titus Taeschner Aufgaben bei Neugestaltung von Graz und der Stadterweiterung von Innsbruck.

Kriegsdienst und Neuanfang in Wolfsburg

Nachdem Peter Koller 1942 für sich keine weiteren Aufgaben beim Aufbau der Stadt sah, meldete er sich zum Kriegsdienst an die Ostfront. Obwohl er beste Beziehungen zu entscheidenden Stellen unterhielt, zudem Vater von damals sieben Kindern war, verzichtete er auf eine weitere u.k.-Stellung. 1943 geriet er als Gefreiter in russische Kriegsgefangenschaft, die ihm aus späterer Distanz und Rückschau ein nachhaltiger Einschnitt in seinem Leben gewesen ist. Es ging um das nackte Überleben. Zugleich war diese Zeit auch wichtig für die Selbstfindung und Neuorientierung Kollers.

Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft in Jahre 1945 trat Peter Koller als Angestellter in das Architekturbüro seines ehemaligen Mitarbeiters Dr. Titus Taeschner ein, mit dem er auch persönlich befreundet war. Die Notzeit nach dem Krieg, in der man täglich nur daran dachte, die Familie zu versorgen und wo man Ähren las, Sirup kochte, Kartoffeln stoppelte, das Fahrrad fahrbereit machte, eignete sich nicht zum Denken an eine �große Zukunft�. Auf der anderen Seite war die Hilfsbereitschaft der Menschen vorbildlich und half über die ärgsten Schwierigkeiten hinweg.

Den Verwaltungsbehörden taten sich in der Übergangszeit viele Probleme aus, z. B. � auf Wolfsburg bezogen � die ungeregelte Frage des Grundbesitzes. Eine Frage, die von der britischen Besatzungsmacht provisorisch geregelt wurde, indem Grundstücke � anfangs zögerlich � durch Erbbaurechte vergeben wurden, denn der gesamte während der NS-Zeit angekaufte Grundbesitz galt als beschlagnahmtes Treuhandvermögen. Die endgültige Regelung der kommunalen Erstausstattung mit Grund und Böden wurde erst viel später im Jahre 1955 vereinbart.

Freiberuflicher Architekt und Stadtplaner

Erst nach der Währungsreform 1948 setzte allmählich wieder eine nennenswerte Bautätigkeit ein; ein Anlass für Koller, sich in Wolfsburg selbständig zu machen. Für zahlreiche Gemeinden im Wolfsburger Umland, aber auch für Wolfsburg selbst entwickelte Koller Bauleitpläne. Ebenso entwarf er für verschiedene Wohnungsbaugesellschaften soziale Wohnungsbauten, so u. a. für die Neuland und die Wohnungs-AG in Salzgitter. Die letztgenannte Gesellschaft war auch Auftraggeber Peter Kollers für die Ostsiedlung in Wolfsburg, die Anfang 1950 als erstes Wohnungsneubauprojekt für Flüchtlinge geplant wurde, wenn man von der Rest-Fertigstellung von 170 Wohnungen im Jahre 1949 in der Innenstadt absieht.

Auch hier nahm Koller wieder Methoden auf, die er schon bei der Planung der Wohnsiedlungen in der Stadt des KdF-Wagens angewandt hatte. Er ging zunächst der Frage nach, welche Wohnbedürfnisse die künftigen Bewohner der Ostsiedlung für wichtig erachteten, damit entsprechend die Grundrisse der Wohnungen und Häuser konzipiert werden konnten. Problematisch erwies sich allerdings nach Kollers späteren Feststellungen, dass die Bewohner Schwierigkeiten hatten, anhand von Plänen die Wohnwünsche abstrahierend darzustellen.

Vom städtebaulichen Leitbild her gesehen, war die Ostsiedlung eine Eigenheimsiedlung mit Garten, die sich stark an Gedanken der Kleinsiedlung orientierte, indem angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse schlicht ausgestattete Häuser mit kleinen Grundstücken und minimalem Erschließungsaufwand verbunden wurden. Weitere städtebauliche Planungen Kollers in Wolfsburg zu Beginn der fünfziger Jahre waren die Siedlungen Wohltberg und Hageberg.

In seiner Zeit als freiberuflicher Architekt und Stadtplaner wandte sich Peter Koller auch einer speziellen Aufgabenstellung zu, nämlich dem Bau von Kirchen. Nachdem die offensichtlich schwierige Frage der Grundstücksvergabe geregelt war, sprach Pfarrer Antonius Holling seinen Bekannt Peter Koller an und bat ihn, die Planung der St. Christophorus-Kirche, der katholischen Hauptkirche in Wolfsburg, zu übernehmen. Das war der erste Neubau einer katholischen Kirche in Wolfsburg überhaupt. Obwohl Koller Stadtplaner war und nie etwas mit Kirchenbau zu tun hatte, fühlte er sich verpflichtet, Pfarrer Holling die gewünschte Kirche zu bauen. Nach einer einwöchigen Besichtigungsfahrt quer durch Deutschland hatte Peter Koller ungefähre Vorstellungen, wie die Kirche auszusehen hatte. Kollers Sohn Peter � damals fünfzehn Jahre alt � baute ein großes Modell aus Pappe vom Innenraum, in das man hineinschauen konnte. Pfarrer Holling sah sich eingehend das Modell an, dann sagte er, �Ja, das ist meine Kirche�. Sowohl das Volkswagenwerk als auch die Stadt unterstützten das Projekt und die St. Christophorus-Kirche wurde nach relativ kurzer Bauzeit am 12.08.1951 eingeweiht. Peter Koller plante mit der St. Joseph-Kirche am Wohltberg nach eine zweite katholische Kirche in Wolfsburg, die in den Jahren 1956/57 errichtet wurde.

Stadtbaurat in Wolfsburg

Die spätere Tätigkeit Kollers in der Stadtverwaltung Wolfsburg kann nicht ohne die Person Dr. Wolfgang Hesse betrachtet werden, denn beide ergänzten sich in effizienter Weise als maßgebliche Gestalter des Stadtausbaues. Nach Dienstantritt als Oberstadtdirektor im Jahre 1953 bemerkte Dr. Hesse recht schnell, dass in der Arbeitsweise des Baudezernates offensichtlich Mängel bestanden, denn der Bau ganzer Stadtteile erforderte einen Manager und �Macher�, der die komplizierten Entscheidungsprozesse auf kommunaler Ebene energisch voranbrachte. So traf es sich glücklich, dass Peter Koller um diese Zeit seine Wiedereingliederung n eine leitende Position in der Stadtverwaltung Wolfsburg aktiv anstrebte. Zunächst erreichte er am 22.06.1955 die Einstellung als kommissarischer Leiter des Stadtplanungsamtes und nur kurze Zeit später wählte in der Rat der Stadt zum Stadtbaurat und Baudezernenten. Wie viel Peter Koller an dieser Position lag, machte folgende Äußerung deutlich: �Ich setzte alles auf Wolfsburg und gewann�. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Stadt Wolfsburg die ungeklärte Erstausstattungsfrage zum Abschluss bringen. Dies war nicht zuletzt ein wesentlicher Verdienst des um Interessenausgleich bemühten Dr. Hesse, der zu Beginn seiner Dienstzeit seine primäre Aufgabe in der Ausstattung der Stadt mit Grundeigentum und Aufbaumitteln sah. In diesem Vergleich zur Erstausstattung im Jahre 1955 erwarb die Stadt u. a. etwa 1 500 ha Land als städtischen Grundbesitz, nicht nur aus der Sicht Dr. Hesses eine optimale Lösung. Nun konnte in großen Schritten der Wohnungsbau von Seiten der Stadt auf gesicherter Grundlage forciert werden.

Das Tandem Hesse und Koller verstand sich auf Anhieb; beide zeigten Hochachtung und Respekt vor der Leistung des anderen. �Koller ist ein Praktiker des humanen Städtebaues gewesen�, dem besonders die Planung menschlicher Nachbarschaftsbereiche, die mit der umgebenden Natur verbunden und vom Durchgangsverkehr unberührt waren, am Herzen lag. Aus Sicht Kollers war von besonderer Bedeutung, dass Hesse zum Generaldirektor des VW-Werkes Heinrich Nordhoff ein tragbares Verhältnis aufbaute, denn der Ausbau des Werkes mit wachsendem Arbeitskräftebedarf führte unmittelbar zu Forderungen gegenüber der Stadt hinsichtlich de Wohnungs- und Infrastrukturausbaues. Dem Oberstadtdirektor war stets bewusst, dass der VW-Standort mit Konzernspitze eine Lebensfrage für die Stadt war. Deshalb waren gute Kontakte zum Werk, insbesondere zu Nordhoff, außerordentlich wichtig, wie Hesse in seinen Lebenserinnerungen resümierte.

Nach seinem Dienstantritt in der Stadtverwaltung bestand Koller vorrangigste Aufgabe darin, eine neue Gesamtplanung für die Stadt Wolfsburg zu erstellen. Als Zielgröße hielt er eine Entwicklung der Stadt bis zu 100 000 Einwohnern für realistisch, und er begann, bei völlig veränderten Vorgaben gegenüber 1938, zum zweiten Mal die Volkswagenstadt als Großstadt zu planen. Während der nach 1948 gültige Generalbebauungsplan des Stadtplaners Hand Bernhard Reichow besonderen Wert auf formalästhetische Aspekte des Städtebaues legte, ging Koller an die Aufgabe eines neuen Entwurfes mit methodisch erarbeiteten Analysen der Ressourcen und Möglichkeiten heran.

In einer umfassenden Bestandsaufnahme wertete er zum einen alle möglichen Baugebiete statistisch aus und zum anderen stellt er in einem Negativ-Katalog sämtliche Vorbehaltsflächen und Schutzgebiete zusammen. Als Resultat seiner Arbeit legte er schon Ende 1955 dem Rat der Stadt drei Ergänzungsblätter zum 1953 genehmigten Flächennutzungsplan vor, die schließlich am 21.08.1956 von der Bezirksregierung in Lüneburg genehmigt wurden. Neben der Nordstadt enthielt der Flächennutzungsplan als weitere neue Baugebiete, insbesondere den Hellwinkel, Eichelkamp und Rabenberg sowie den Südhand Klieversberg. Durch die neuen Baugebiete konnten weitere 30 000 Einwohner untergebracht werden, zuzüglich 10 000 Einwohner durch Ausfüllen von Baulücken in vorhandenen Baugebieten.

Aus dieser Flächennutzungsplanung als Grundlage wurden in der Folgezeit die einzelnen Teilbebauungspläne entwickelt. Die Vorgehensweise seines Stadtbaurates beschrieb Oberstadtdirektor Dr. Hesse sehr treffend: �Koller kannte und studierte die Gewohnheiten des Durchschnittsmenschen und forschte den Wegen von Kindern und Hausfrauen nach, um in seiner Planung ihm große Entfernungen und Gefahrenpunkte zu ersparen. Statistik und Wirtschaftlichkeit waren ihm immer wichtiger als Fassadenarchitektur�. Um das rasante Tempo der Wohnungsbautätigkeit überhaupt zu ermöglichen, setzte Peter Koller mit Rückendeckung Hesses alle seine Erfahrungen und seinen Mut ein, wenn es geboten schien, administrative Verfahren abzukürzen oder behördliche Einschränkungen möglichst gering auf die Stadt Wolfsburg wirken zu lassen.

Als besonders vorbildlich gilt auch heute noch die Planung des Stadtteils Rabenberg in den Jahren 1956 bis 1958, die eine sehr maßvolle Bebauung unter Einbeziehung der Landschaft zugrunde legte. Städtebaulich ist der Rabenberg den anderen Wolfsburger Waldsiedlungen (z. B. Eichelkamp) sehr ähnlich, in denen Zeilenbauten zur Landschaft geöffnete Räume bilden und einige Punkthäuser als städtebauliche Orientierungspunkte eingefügt sind.

Aus Sicht der Stadtverwaltung war das Tempo des Stadtwachstums nur schwer kalkulierbar, weil auch die Expansion des Volkswagenwerkes kaum vorhersehbar war. Peter Koller beschrieb später die damalige heikle Situation: �Nordhoff hat der Stadt nie mitgeteilt, welches Wachstum der Stadt er vorhatte�. Tausend Mann mehr im Werk bedeuteten einen ganzen Stadtteil mehr, der zwei Jahre brauchte, bis Menschen dort einziehen können. Wir konnten nicht glauben, dass er sich ins �Blaue� treiben lässt ... Aus unsere nochmalige Frage beteuerte Nordhoff: �Mehr als 25 000 Menschen in einer Fabrik zu leiten, getraue ich mich nicht�. Damit hatten wir einen Anhaltspunkt, d. h. wir dachten einen zu haben, denn als ich Ende 1959 (1960 d. V.) wegging, hatte er schon 40 000 Beschäftigte. Wir mussten also auch in �Blaue� fahren.

Mit dem weiteren Aufbau der Stadt musste auch die Infrastruktur Schritt halten. In den neuen Stadtteilen wurden die erforderlichen Kindergärten und Schulen errichtet und wichtige zentrale öffentliche Gebäude entstanden ab Mitte der fünfziger Jahre. Dazu zählte insbesondere das neue Rathaus, das am 22.03.1958 eingeweiht wurde, ein wichtiger Schritt der eigentlichen Stadtwerdung. Die Bevölkerung hatte nun einen zentralen Bezugspunkt in der Stadtmitte, doch die Verwaltung konnte wegen des nicht vorhersehbaren Stadtwachstums und des damit einhergehenden Zuwachses an Verwaltungsmitarbeitern nicht komplett im Rathaus untergebracht werden. Von der Zusammenarbeit und der Abstimmung unter der Verwaltungsspitze berichtete Peter Koller: �Die Dezernentensitzung bei Dr. Hesse war ein vorbildliches Zusammenwirken im Team. Da wurde alles auf weite Sicht vorbereitet, wurden die Strategien festgelegt und alles lange vorher bedacht, bevor die Fraktionssprecher und Ratsherren informiert wurden.�

Zu den letzten Planungen Kollers in Wolfsburg gehörte die Bebauung der Stadtteile im Norden mit der Teichbreite und der Tiergartenbreite. Nachdem erschließungstechnische Schwierigkeiten überwunden waren, konnte das Leitbild der aufgelockerten und durchgrünten Stadt in besonders eindrucksvoller Weise verwirklicht werden. Großzügige Freiflächen umrahmten den Neuen Teich, während Punkthochhäuser zur Mitte der Baugebiete hin angeordnet wurden. Nach außen hin schlossen sich Zeilenbauten an, die an den Rändern in Einfamilienhäuser bzw. Reihenhäuser überging.

Beim Bau der Hochhäuser wandten die Firmen industrielle Produktionsmethoden mit der Technik der Großtafelbauweise an, die kurze Bauzeiten zuließen und zu Kosteneinsparungen führten. Nur in der Flächennutzungsplanung hatte Stadtbaurat Koller bereits Baugebiete für Großstadtteile im Westen Wolfsburgs im sogenannten Mörser Viereck vorgesehen (Detmerode, Westhagen), deren Ausführungsplanung zu den Hauptaufgaben seines Nachfolgers Dr. Rüdiger Recknagel gehörte.


Quelle: Buch �...erleben, wie eine Stadt entsteht; Wolfsburg 1938 � 1998�

 

 

 
 








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